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Die Historie des Appaloosa im 19. Jahrhundert

 

Appaloosa und die Nez Percé

Der authentische, ursprüngliche Appaloosa ist eine Pferderasse, die bekannt wurde durch die Zucht der Nez Percé Indianer im Nordwesten der USA, Zentral-Idaho, Nordosten Oregon’s und dem Osten Washingtons, im Speziellen in den Gebieten des Palouse River im Wallowa-Tal.

Anfangs des 18. Jhdt. gelangten die ersten Appaloosa zum Indianerstamm der Nez Percé.nezperce appaloosa

Die Nez Percé wurden ausgesprochen begabte Pferdleute und Züchter, und ihre häufig getupften Pferde wurden von anderen Stämmen hoch geschätzt und begehrt. Sie gingen mit ihren Herden mit grosser Umsicht um.
Historiker nehmen an, dass die Nez Percé Indianer der erste und der einzige Stamm war, der Pferde mittels einer systematischen und selektiven Auswahl auf spezielle Eigenschaften wie Intelligenz und Schnelligkeit gezüchtet haben, indem sie die besten Exemplare behalten haben und mit denen, die weniger erwünscht waren, Handel getrieben haben. Niemand weiss wie sich die Indianer die Zuchttechniken angeeignet haben. Es wird jedoch vermutet, dass einer, oder ein paar Stammesmitglieder einige Zeit bei den Spaniern im Südwesten des Landes verbracht hätten. Danach wurden die Nez Percé in bemerkenswerter Schnelligkeit die einzigen Züchter in ihrer Region.

Lewis and ClarkAuch ist durch historische Texte (u.A. Lewis & Clark 14. Mai 1806) bekannt, dass die Nez Percé Indianer Hengste, die nicht für die Weiterzucht begehrenswert waren, kastriert haben. Ihre Kastrationstechnik war so gut, dass sogar Weisse diese bei ihnen erlernt hätten.

Die frühen Nez Percé Pferde waren um 1800 bekannt dafür von hervorragender Qualität zu sein.

Als Meriwether Lewis von der Expedition Lewis und Clark ein gutes Jahrhundert später, am 5. Februar 1806 zum Volk der Nee-Me-Poo (= Nez Percé Indianervolk) kam, schrieb er: "ihre Pferde scheinen von exzellenter Rasse zu sein; sie sind erhaben, von eleganter Postur, aktiv und langlebig: kurz gesagt, viele von ihnen schauen aus wie ausgezeichnete Englische Pferde und würden eine gute Figur in irgend einem Land machen. Einige von ihnen sind gefleckt/getupft mit grossen weissen Flächen, unregelmässig gesprenkelt, durchsetzt mit dunkelbraunen Farbbereichen…“ (zusammengefasste Übersetzungen – D. Renggli).
Lewis und Clark haben am 14. Mai 1806 inmitten der Nez Percé Indianer diese Pferde in der Nähe von Kamiah, Idaho, gekennzeichnet und kastriert. Lewis und Clark konnten ausgezeichnetes „Horsemanship“, das sie bei diesem Indianervolk antrafen, sehr wohl erkennen. Lewis berichtete, dass die Kastrationsmethode der Nez Percé weit besser war als ihre eigene. Lewis’s Männer waren sich gewohnt das Scrotum (Hodensack) nach Kastration zu vernähen; Die Nez Percé liessen die Wunde offen und zugranulieren.
„ Ich bin überzeugt, dass es denjenigen Pferden, die von den Nez Percé kastriert wurden schneller wieder gut ging und sie weniger Anschwellungen hatten, als diejenigen, die in der gewohnten Art kastriert wurden.“ May 23, 1806 Meriwether Lewis
(“I am convinced that those cut by the Indians will get well much soonest and they do not swell nor appear to suffer as much as those cut in the common way,” )
Später war Lewis noch mehr begeistert: „ Ich zögere nicht meine Meinung auszudrücken, dass die Kastrationsmethode der Indianer der unseren vorzuziehen ist.“ June 2, 1806 Meriwether Lewis (“I have no hesitation in declaring my belief that the indian method of gelding is preferable to that practiced by ourselves.”)

Diese gefleckten/getupften („pied“, gemäss Definition Webster’s Lexikon 1828, Variation in allen Farben von Tupfen…) Pferde bekamen um 1870 den Namen „Appaloosa“ von den weissen Männern. Der Ausdruck setzt sich aus 3 Worten zusammen: A Palouse Horse A Palousey  Appaloosa, da die Nez Percé mit ihren gefleckten Pferden in den Gebieten des Palouse River beheimatet waren.

Chief Joseph, Hin-mah-too-yah-lat-kekt

 

 

Weisse Beobachter, die das Nez Percé Camp in Lake Tolo, kurz vor Ausbruch der Nez Percé Kriege besucht haben, schätzten, dass 1/3 bis die Hälfte aller Indianerpferde im Camp Appaloosa waren. Da die einfarbigen Pferde vorwiegend zu Packzwecken verwendet wurden, würde das bedeuten, dass über die Hälfte aller Kriegspferde von der Rasse der „spotted horses“ (also Appaloosa) waren. Dabei befand sich „Ebenezer“, Chief Joseph’s berühmtes, getupfter Rennpferd und „Ebenezer’s“ noch auffälligerer Halbbruder, der für Paraden eingesetzt wurde.
„Ebenezer“ war so berühmt, dass die Zeitungen erwähnten, wenn Chief Joseph ihn in der Stadt ritt. Das Pferd war ein heller „red-roan“ mit blutroten Tupfen auf dem Rumpf. Ihm wurden Schnelligkeit zuerkannt und die Grenzbewohner erinnerten sich daran, dass er alle Rennen mit einer beträchtlichen Marge gegenüber den besten Pferden der Region gewann. Als Chief Joseph kapitulierte, ritt er ein schwarzes Pferd.

 

 

 

 


 

Die Flucht von Chief Joseph

Berühmt wurden die Appaloosa durch die historische Flucht der Nez Percé Indianer unter Chief Joseph 1877. → http://de.wikipedia.org/wiki/Chief_Joseph

Chief Joseph Band 1877Am 15. Mai 1877 begann das traurigste Kapitel der Appaloosa, als General Otis Howard den Befehl gab, dass Chief Joseph und seine Leute zusammen mit anderen Häuptlingen, White Bird, Husishusis Kute und Looking Glass, mit ihrem ganzen Besitztum und den grossen Herden innerhalb von 30 Tagen in das Lapwai Reservat in Idaho umziehen sollten. Eine von Chief Joseph erbetene Frist bis zum Herbst, damit ihnen Zeit blieb ihre Herden zusammenzutreiben, auf die Jagd zu gehen und Nahrungsmittel für den Winter einzulagern und weil dann der Snake River wenig Wasser führen würde, wurde ihnen von General Howard nicht gewährt.
Etwa 800 Nez Percé (ca.250 Krieger und ca. 550 Frauen, Kinder und alte Menschen) mit ca. 2000-3000 Pferden machten sich auf den Weg in die Reservation wegen der knapp bemesserner Zeit über den Snake River. Dieser war etwa 400 Meter breit und führte zum Zeitpunkt der Überquerung eisiges Schmelzwasser mit reißender Strömung. Die Nez- Perce ließen sich von ihren Pferden, die sie an ihre Büffelhautflöße banden auf die andere Seite ziehen. Doch wegen der sehr starken Strömung wurden sehr viele Pferde abgetrieben. Nach der Überquerung, die alle Menschen heil überstanden, waren jedoch 900 Appaloosa ertrunken.

Looking GlassAuf dem weiteren Weg in die Reservation ereigneten sich mehrere tragische Zwischenfälle zwischen Indianern und Siedlern. Unter Anderem töteten drei junge Krieger vier Siedler im Salmon River.
Die Konsequenz zwang die Nez Percé in einen Krieg, den sie nicht gewollt hatten und aus ihrem geplanten Umzug wurde für die Indianer und ihre Appaloosa ein Kriegszug.
Von Fort Lapwai aus zog Captain Perry mit zwei Kavalleriekompanien aus, um das Indianercamp anzugreifen. Am 17. Juni 1877 wurden die Indianer kurz nach Sonnenaufgang überfallen. Die 112 Soldaten unter Captain Perry hatten jedoch keine Chance gegen die rund 65 Krieger der Nez Percé und waren nach wenigen Minuten geschlagen. Sie mussten 34 Tote und 2 Verwundete beklagen, die Nez Percé hingegen zählten "nur" 2 Verwundete.

Fluchtweg der Nez Percé

Das war der Beginn einer Hetzjagd, die von Oregon bis kurz vor die kanadische Grenze führte und sich über 3 ½ Monate hinzog (der Stamm hatte im Sinne in Kanada sich der Sippe von Sitting Bull anzuschliessen). In dieser Zeit legten die Nez Percé mit ihren bepackten Appaloosa, Frauen, Kindern und alten Leuten 1400 Meilen (2250 km), 2000m Höhendifferenz in unwegsamem Gelände zurück, die US-Armee immer knapp auf den Fersen.

Peopeo Kiskiok Hihih ( White Bird ) of the Nez PerceAm 29. September 1877, bei Sonnenaufgang, konnte die US-Armee den Indianern kurz vor der kanadischen Grenze (48km) den Weg abschneiden und sie wiederum angreifen. Nur 120 Nez Percé Krieger standen den ca. 600 Soldaten gegenüber und konnten den Angriff stoppen. Sie wurden jedoch 6 Tage lang belagert, bis die Generäle Howard und Miles mit ihren Truppen eintrafen. Die völlig ausgehungerten und erschöpften Indianer (Joseph, 87 seiner Männer, 174 Frauen und 147 Kinder) ergaben sich am 5. Oktober 1877 General Howard.

Häuptling White Bird, zusammen mit ca. 200 Kriegern der Nez Percé ergriff in derselben Nacht die Flucht und schloss sich der Sippe der Lakota von Sitting Bull in Kanada an.

Chief-josephDie berühmte Rede, die Chief Joseph bei der Kapitulation hielt, spiegelt das Elend und die Verzweiflung wider, die die Indianer letztendlich zur Aufgabe zwangen:
Berühmtes Zitat von Chief Joseph vom 5. Oktober 1877, dem Tag, als er sich General Howards Truppen ergab:

"Tell General Howard I know his heart. What he told me before I have in my heart. I am tired of fighting. Our chiefs are killed. Looking Glass is dead. Too-hul-hul-sute is dead. The old men are all dead. It is the young men who say yes or no. He who once led them is dead. It is cold and we have no blankets.The little children are freezing to death. My people, some of them, have run away to the hills, and have no blankets, no food; no one knows where they are – perhaps freezing to death. I want to have time to look for my children and see how many of them I can find. Maybe I shall find them among the dead. Hear me, my chiefs. I am tired; my heart is sick and sad. From where the sun now stands I will fight no more forever.”

(„Sagt General Howard, ich weiß, was ihn bewegt. Was er mir bereits gesagt hat, habe ich in meinem Herzen. Ich bin des Kämpfens müde. Unsere Häuptlinge wurden getötet. Looking Glass ist tot. Too-hul-hul-sute ist tot. Die Alten sind alle tot. Die jungen Männer haben nun das Sagen. Jener, der sie einst führte, ist tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken.Die kleinen Kinder erfrieren. Einige meines Volkes sind weggelaufen in die Berge. Sie haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiß, wo sie sind – vielleicht erfrieren sie gerade. Ich will Zeit, um nach meinen Kindern suchen zu können und um zu sehen, wie viele von ihnen ich noch finden kann. Vielleicht finde ich sie unter den Toten. Hört mich, meine Häuptlinge! Ich bin müde. Mein Herz ist krank und traurig. Vom jetzigen Stand der Sonne an will ich nie mehr kämpfen – für immer.

Wenn der weiße Mann in Frieden mit den Indianern leben will, so kann er das. Gebt allen Menschen das gleiche Gesetz. Gebt allen Menschen die Möglichkeit, zu Leben und sich zu entwickeln. Alle Menschen wurden vom großen Geist erschaffen und alle sind Brüder.“)Heinmot Toojalaket ( Chief Joseph - Nez Percé)

Die US Kavallerie schrieb folgenden Armeebericht über die getupften Pferde: "Chief Joseph und seine Leute mit ihren aussergewöhnlich guten Pferden kämpften gegen 10 verschiedene US-Kommandos in 13 Schlachten und Gefechten und bei fast jeder Begegnung siegten sie oder erkämpften den Stillstand.
(“ The US Calvary wrote this about the spotted horse Joseph and his tribe on extremely fine horses engaged 10 separate US commands in 13 battles and in nearly every instance either defeated them or fought them to a stand still.")
General Sherman bezeichnete diese Kämpfe zu Recht, als die aussergewöhnlichsten Indianerkämpfe, über die je berichtet wurde.

Nach der Kapitulation von Chief Joseph und seiner Stammesleute, ordnete das Gouvernement an alle Appaloosa zu beschlagnahmen. Sie wurden teilweise getötet, oder versteigert, da sie durch diese legendäre Ausdauerleistung sehr begehrt waren.

Nezperce reservation

Ironischerweise sind es gerade die Käufer dieser Pferde, die beinahe den Untergang dieser Züchtung herbeiführten. Sie kreuzten die Appaloosa mit allem, was in den heimischen Ställen herumstand, um ein wenig „Farbe“ zu erlangen. Die getupften Pferde der Nez Percé, die schneller, klüger, zäher und trittsicherer waren als die Reittiere der Kavallerie, wurden an den Rand der Ausrottung gebracht. Der reinrassige Appaloosa ist in die Vergessenheit geraten und bis in die frühen Jahre von 1920 ist wenig von ihnen bekannt.

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viel weiterführende Literatur mit Quellangaben unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Nez-Perc%C3%A9-Krieg, http://www.indianer-web.de/plateau/joseph.htm

Tagebücher der Lewis & Clark Expeditionen: Links unter http://de.wikipedia.org/wiki/Lewis-und-Clark-Expedition

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